Kriterien zur Aufnahme von Patienten auf Intensivstation

  • Aufnahmekriterien

    Es existieren pauschal keine allgemeingültigen Kriterien für die Aufnahme auf eine Intensivstation.

    Die Entscheidung muss daher individuell anhand der klinischen Gesamtsituation getroffen werden (Zustand und Wille des Patienten, Art des operativen Eingriffs, Ausstattungsmerkmale und Standards der jeweiligen Klinik).


    Geplante Patientenaufnahme

    • Postoperative Überwachung bzw. Therapie erwägen bei:
      • „Risikoeingriffen“
        • Hohe Invasivität (bspw. Thorakotomie, große Laparotomie, intrakranielle Eingriffe)
        • Lange Eingriffsdauer (erhöhtes Komplikationsrisiko mit zunehmender Dauer)
        • Hoher Blutverlust möglich (bspw. Amputationen an der unteren Extremität)
        • Spezifisches Eingriffsrisiko (bspw. Schwellung, Nachblutung oder spezifische Organkomplikationen)
        • Spezifische Verfahren (bspw. postoperative Fortführung der invasiven Blutdruckmessung oder Beatmung)
      • „Risikopatienten“
        • Kardiopulmonale Vorerkrankungen
        • Reduzierter Allgemeinzustand, deutlich eingeschränkte Belastbarkeit
        • Bekannter schwieriger Atemweg
        • Erkrankungen mit Selbst- und Fremdgefährdung (bspw. schwere Demenz)
        • Anamnestische Hinweise (Komplikationen bei vorangegangenen Eingriffen)
    • Entscheidungsfindung
      • Möglichst viele Aspekte in die individuelle Entscheidung mit einfließen lassen
      • Im Zweifel: Rücksprache mit Operateur bzw. bereichsleitendem Anästhesisten
    • Zu beachtende Besonderheiten
      • Stets Patienten über geplante postoperative Überwachung informieren
      • Frühzeitige Voranmeldung des Patienten auf der Intensivstation
      • Bei Übernahme aus einer anderen Einrichtung: Genauen Überwachungs- und Therapiebedarf klären und Verlegungsbericht anlegen


    Bei Unklarheit bzgl. einer postoperativen Überwachungspflicht kann die Rücksprache mit dem bereichsleitenden Anästhesisten sinnvoll sein!


    Ungeplante Patientenaufnahme

    • Überwachung bzw. Therapie erforderlich bei:
      • Perioperativen Komplikationen
        • Präoperativ (bspw. unerwartet schwieriger Atemweg)
        • Intraoperativ (bspw. Reanimation , Anaphylaxie , Massentransfusion)
        • Postoperativ (bspw. Katecholamin - oder Beatmungspflichtigkeit)
      • Akuter Verschlechterung des Allgemeinzustands
        • Dekompensation bestehender Vorerkrankungen (bspw. Herzinsuffizienz , Exazerbation einer COPD)
        • Neu aufgetretene Organdysfunktion ohne Vorschädigung (bspw. im Rahmen einer Infektion oder Intoxikation)
      • Akutem Trauma (bspw. polytraumatisierte Patienten nach Verkehrsunfall)
      • Selbst- oder Fremdgefährdung (bspw. akute Suizidalität, hyperaktives Delir)





    Mit freundlichen Grüßen und bleiben Sie gesund,


    Spieki

    Chefarzt



    Kontakt:

    Spieki


    Intensivstation 1

    Klinik für Anästhesie und operative Intensivmedizin
    Universitätsklinikum Halle (Saale)
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